Zurück zur Startseite
24. Dezember 2009 KV Rems-Murr, Meldung

Weihnachten und Frieden

Weihnachten und Frieden

Leserbrief in der Waiblinger Kreiszeitung. Ausgabe Dienstag, den 22. Dezember 2009.

"In der Diskussion um die Bombardierung in Kundus sollten grundlegende Fragen nach dem (Un)sinn dieses Krieges nicht untergehen.

Lächerlich ist es zu glauben, es könne da ein Krieg ohne zivile Opfer geführt werden.

Ein wesentlicher Fehler ist das Ziel, dort unsere Vorstellungen von einem Staatswesen durchzusetzen. Beispiel: Die ständig vom Westen beklagte Korruption, dieser Vorwurf zeigt nur unser Unverständnis der Lage. Es ist für einen Paschtunen, Usbeken, Tadschiken, Hazara undenkbar nicht einen Paschtunen, Usbeken, Tadschiken Hazara vor den Anderen zu berücksichtigen. Würde er dies anders machen, würde er überall auf Unverständnis stoßen.

Eigentlich ist Afghanistan nur ein geographischer Begriff. Ein Staatswesen in unserem Sinne ist dort gar nicht vorhanden und lässt sich nicht von außen aufdrängen. Daran sind schon die Briten und dann 100.000 Mann der Roten Armee gescheitert. Letztere zogen nach 10 Jahren ab, wie lange wollen die USA und die weniger werdenden Mitkämpfenden es noch versuchen?

Was oft vergesssen wird: die soziale Lage der Mehrheit der Menschen hat sich verschlechtert, Preise für Grundnahrungsmittel haben sich seit 2007 verdreifacht (Angabe Welthungerhilfe), die Alphabetisierung stagniert, dritthöchste Kindersterblichkeit der Welt, Müttersterblichkeit ebenfalls extrem, die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" hat sich aus Protest gegegn die sogenannte zivil-militärische Zusammenarbeit aus Afghanistan zurückgezogen, noch vorhandene Hilfsorganisationen halten sich von der Bundeswehr möglichst weit fern und betrachten diese keineswegs als Schutz.

Reinhard Neudorfer, Waiblingen