Leserbrief an die Badische Zeitung zur entsprechenden Meldung vom 23.06.2010
Südwest liegt an der Spitze im Bildungstest und sogleich klopfen sich die Bildungs- und Einbildungsexperten unserer Landesregierung anerkennend auf die Schultern. Dass ,auch dazu berichtete die BZ ausführlich, von den jährlich für Nachhilfe in Deutschland ausgegebenen 1,5 Milliarden Euro ein erheblicher Teil in Baden-Württemberg die staatlichen Schulen subventioniert ist in diesem Zusammenhang nicht die Rede. Doch genau dieser Fakt, dass wohlhabende Eltern ihren Sprösslingen Bildung zukaufen unterstreicht die im zweiten Teil der Studie wieder betonte Tatsache, dass es – gerade in Baden und Schwaben – eine enorme soziale Schieflage gibt. Der sozialen Perversion versuchte die Berliner Koalition mit dem neuen Stipendiengesetz die Krone aufzusetzen. Eine Förderung von Hochbegabten ist ja vernünftig, aber wenn die 300,- € monatlich auch gezahlt wird, wenn das Einkommen der Eltern so hoch ist, dass die Summe nicht mal den Bruchteil der Portokasse darstellt, ist es nicht ausgewogen. Viele kluge und strebsame Studenten erreichen eben keine Höchstleistungen, weil sie gezwungen sind ihr Studium durch Arbeit zu finanzieren und es damit an Zeit fehlt. Und nur das CDU – FDP regierte BW stimmte im Finanzausschuss der Länder zu. In anderen Landesregierungen ist eben noch ein Rest – oder auch mehr – einer Vorstellung von Chancengleichheit zu finden. Um das Grundgesetz der Bundesrepublik im Sinne umzusetzen, ist in der Bildungspolitik des Landes ein generelles Umdenken von Nöten. Vielen, intelligent gut veranlagten Kindern wird der Weg zur Bildung durch die soziale Herkunft versperrt. Wie lange noch kann sich ein Land es leisten, dieses Potential ungenutzt zu lassen? Begreifen denn unsere angeblich wirtschaftlich auch so kompetenten schwarz-gelben Landesfürsten nicht, dass mit einem minimalen Mehr an Investitionen ein Maximum an kreativer Bildungsrendite zu holen ist.? Klingen die andauernden Rufe der Personalchefs nach besserer Schulbildung der Auszubildenden nicht in den Ohren der gewählten Volksvertreter, oder versteckt sich im „Nichtreagieren“ eine Klientelpolitik zum Schutz der neuer Adelsprivilegien der Finanz- und Bildungsaristokratie ?
Wir werden in der Nominierung unsres Kandidaten in den Wahlkreisen eine hohe Meßlatte in Sachen sozial gerechter Schul- und Bildungspolitik anlegen. Wir setzen uns bedingungslos für gleiche Voraussetzungen aller Kinder auf dem Weg zum Erwerb von Wissen durch die Landespolitik ein.
Michael Schostek
Sprecher des Kreisverbandes der Partei Die Linke Breisgau-Hochschwarzwald