DIE LINKE. Landesverband Baden-Württemberg
Werte MitarbeiterInnen der Presse,
am 26.02.2010 sollte eine Veranstaltung von Norman Finkelstein mit der Unterstützung der Rosa-Luxemburg Stiftung in Berlin stattfinden.
Wir die Linke Landesarbeitsgemeinschaft Frieden Baden-Württemberg unterstützen den Offenen Brief an die Rosa-Luxemburg Stiftung von Jan van Aken, Christine Buchholz, Sevim Dagdelen, Wolfgang Gehrcke, Norman Paech, Werner Ruf und Sahra Wagenknecht.
Lieber Heinz Vietze, Lieber Florian Weis,
eure Entscheidung, den Raum in der Rosa Luxemburg Stiftung für den
Vortrag an Norman Finkelstein nicht mehr zur Verfügung zu stellen,
finden wir falsch. Eure Begründung, dass euer Bildungsauftrag "plurale
Debatten" voraussetzt und deshalb eine Veranstaltung mit Norman
Finkelstein nur mit einem Gegenpart durchgeführt werden sollte, finden
wir auch falsch.
Als ihr im Dezember 2009 eure Zusage gabt, waren Finkelsteins kritische
Positionen zur Israel-Debatte bekannt. Dass er in Israel und manchen
jüdischen Kreisen umstritten ist, trifft ihn gleichermaßen wie
zahlreiche andere kritische jüdische Wissenschaftler. Erst jüngst wurde
einem von ihnen, Ilan Pappe, in München von der Stadt der Raum gekündigt.
Wir halten derartige Entscheidungen mit dem Debatten-Anspruch der
Stiftung sowie mit der von uns bisher beachteten Diskurs-Kultur
vollkommen unvereinbar und das unabhängig der Bewertung der inhaltlichen
Positionen Norman Finkelsteins, in der auch wir nicht immer
übereinstimmen. Wir gehen nicht davon aus, dass das Publikum erst durch
einen Gegenpart zu einem kritischen Dialog mit dem Vortragenden
angeleitet werden müsste.
Gerade als politische Stiftung mit einem Bildungsauftrag für kontroverse
und plurale Debatten hättet ihr dem Druck von einigen Wenigen nicht
nachgeben dürfen. Deren Vorwürfe "Geschichtsrevisionismus" und
"Antisemitismus" zeugen von einer erschreckenden Unkenntnis und sind
vollkommen absurd, das wisst ihr auch. Anstatt ihrem Druck nachzugeben,
hättet ihr einem Wissenschaftler eurer Wahl in einer weiteren
Veranstaltung ein Podium geben können.
Wir bitten Euch deshalb eindringlich, diese Entscheidung zu überdenken.
Ihr könnt mit unserer vollsten Unterstützung rechnen, sowohl bei der
Durchführung dieser Veranstaltung als auch bei der Planung und
Durchführung einer weiteren Veranstaltung einer anderen Denkrichtung.
Wenn wir erst anfangen, Debatten gar nicht mehr zu führen, haben wir
schon verloren.
MIt freundlichen Grüßen
Thomas Haschke
Sprecher LAG Frieden