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9. Januar 2012 KV Stuttgart, Aktiv vor Ort, Meldung

„Ein-Checken in Containamo“ - S21-Gegner fordern: Weg mit den Arrest-Containern

Mehr als 500 Gegner des Bahnprojektes Stuttgart 21 protestierten am
Sonntagnachmittag, 08.01.2012, mit einer politisch-satirischen Aktion gegen das
Containerdorf der Polizei auf dem Gelände der Wasenwache.  Sie fordern
Innenminister Gall auf,  der Einschüchterungskampagne ein Ende zu setzen und
die  Arrest-Container auf dem Cannstatter Wasen sofort abzubauen.
„Wir lassen uns nicht abschrecken“ – unter diesem Motto zog die
Demonstranten in Häftlingsuniform und mit Mitbringseln wie Koffer,
Kuscheltier, Handtuch und Zahnpasta sowie anderen wichtigen Utensilien vom
Mineralbad Leuze über die Mercedesstraße zum Containerdorf auf dem Gelände
der Wasenwache, um dort in einer ersten Trockenübung das geordnete
„Ein-Checken in Containamo“ zu üben. Vor Ort veranstalteten die Cannstatter
gegen Stuttgart 21 eine Lotterie. Glückliche Los-Gewinner ergatterten ein
Erstbelegungsrecht für einen der Arrest-Container und konnten sich eine
passende Unterkunft aussuchen:  So war das "Haus Cannstatter Kurve" für
Warmduscher, die "Juchtenherberge" für Frühaufsteher und Naturfreunde, das
"Mutbürger-Zentrum" für Kaffeetrinker und gesellige Leute. In der "Villa
Reitzenstein" wurde extra ein Raum der Stille und des Glaubens eingerichtet,
um dort gemeinsam auf das Wunder zu warten. Die Interessenten erhielten
zudem die Gelegenheit, auf einer Bedarfsliste ihre persönlichen Wünsche in
Sachen  Ernährung, Lektüre etc. zu notieren, die nach der Aktion umgehend an
Polizeipräsident Züfle weitergeleitet werden, um ihm eine bedarfsgerechte
Planung zu ermöglichen.

Ernster Hintergrund der von den Demonstranten mit viel Zustimmung und
Beifall begleiteten Aktion ist die von Innenminister Gall und der
verantwortlichen Polizeiführung bereits kurz nach Auszählung der
Volksabstimmung initiierte Einschüchterungskampagne gegen die Gegner und
Gegnerinnen von Stuttgart 21. Das Containerdorf auf dem Cannstatter Wasen
hat aus Sicht der Demonstranten einzig und allein den Sinn, diese Gruppe als
Gesetzesbrecher und Unruhestifter zu verunglimpfen.

Warum dann aber die Protest-Form einer politisch-satirischen Aktion?
Antwort: „… das beste Mittel gegen Drohgebärden ist und bleibt, das
Schreckgespenst lächerlich zu machen“, so Dieter Laube von der
Initiativgruppe "Bad Cannstatter gegen Stuttgart 21" in seiner Auftaktrede
vor dem Mineralbad Leuze. Er rief Innenminister Gall auf, das Containerdorf umgehend abbauen zu lassen.  Von Ordnungsbürgermeister Schairer forderte er die sofortige
Aufhebung der  Allgemeinverfügung vom 22. Dezember, die ein unbefristetes
Aufenthalts- und Betretungsverbot für den Mittleren Schloßgarten vorsieht.
Statt das nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshof Mannheim zum
Grundwassermanagement zweifelhafte Baurecht der Bahn durchzusetzen, sollten sich Innenminister Gall, Polizeipräsident Züfle und Ordnungsbürgermeister Schairer lieber um die Einhaltung des Naturschutz- und Umweltrechtes kümmern und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu Blockaden respektieren.