Zurück zur Startseite
1. März 2010 KV Stuttgart, Meldung

Hotel Silber: Eine Erinnerung an Gestern für das Gewissen von Morgen

Am Donnerstag, den 25.02.2010 wurde die Frage nach Abriss oder Erhaltung des Hotel Silber sowie die Forderung nach einem NS-Dokumentationszentrum für Stuttgart bei der von der Fraktionsgemeinschaft SÖS/LINKE veranstalteten öffentlichen Anhörung erstmals im Rathaus erörtert.  

Das Hotel Silber war das Gestapo Hauptquartier in Stuttgart. Hier wurden Opfer des NS-Regimes verhört und gefoltert. Von dort aus wurden auch Transporte in die Todeslager organisiert und durchgeführt.

Bei der Anhörung waren ca. 170 interessierte Bürgerinnen und Bürger anwesend. Darunter fünf StadträtInnen der GRÜNEN und drei Stadträtinnen der SPD und natürlich vier StadträtInnen unserer Fraktion SÖS/LINKE. Erstmals wurde die Authentizität des Hotel Silber anerkannt. OB Schuster behauptete bisher, dass keine authentische  Bausubstanz mehr erhalten sei. Dies wiederlegte Prof.Dr. Ostertag anhand von Originalbauplänen, Fotografien und Baugenehmigungen. Michael Kienzle von den GRÜNEN erklärte, der Gemeinderat sei getäuscht worden. Monika Wüst von der SPD gab zu verstehen, ihre Fraktion sei "noch offen", was die Zukunft des Hotel Silber angehe. Klar ist, nach der Bekanntgabe der Ergebnisse des Architektenwettbewerbs Anfang März muß der Gemeinderat entscheiden, ob er einem Bebauungsplan zustimmt, der einen Abriss des Hotel Silber zulässt oder ob er die Integration des Gebäudes ins Neubauprojekt verlangt.

Unter anderem schilderte eine Stuttgarterin das Schicksal ihrer jüdischen Großmutter, die von der Gestapo abgeholt und ins Hotel Silber gebracht wurde. Von dort aus kehrte sie nie wieder zurück. Diese Bürgerin nannte die Pläne der Stadtverwaltung, zum Abriss dieses Gebäudes, ein Versagen der Demokratie.

Dr. Jung, Stadtdirektor vom Kölner NS-Dokumentationszentrum, erklärte den Kompromiss der Stadt Stuttgart, auf hundert Quadratmeter im Keller, des neuen Einkaufszentrums, eine Gedenkstätte einzurichten, als schäbig.

In welcher Stadt leben wir eigentlich, die so ungewissenhaft mit der Erinnerung an das Leid der Menschen umgeht und es für wichtiger hält an diesem Ort ein weiteres Einkaufszentrum zu bauen? Das Hotel Silber ist mit seiner Geschichte ein einmaliger und authentischer Ort. Eine Erinnerung an Gestern für das Gewissen von Morgen.

Dagmar Uhlig