Leinfelden - Am Samstag wird es in Leinfelden zwei Perspektiven geben: die in der Filderhalle und die davor. Innen sprechen Referenten wie Karl-Albrecht Schachtschneider und Udo Ulfkotte auf dem umstrittenen Kongress „Europa vor dem Crash“ des Kopp-Verlags. Draußen versammeln sich Demonstranten, denen die Referenten und der Veranstalter zuwider sind. Beim städtischen Ordnungsamt ist eine Demonstration für etwa 50 Personen angemeldet worden.
Der geplante Kongress des Kopp-Verlages hatte, wie berichtet, im Vorfeld für Verwirrung gesorgt. Zunächst hatten Leinfelden-Echterdingens Oberbürgermeister Roland Klenk und Filderhallen-Geschäftsführer Nils Jakoby versichert, die Veranstaltung werde nicht stattfinden. Sie hatten gesagt, dass es keinen Vertrag gebe und auch künftig nicht geben werde und dies mit Bedenken vor rechtspopulistischen Äußerungen in der Filderhalle begründet, durch die der Ruf des Kongresszentrums leiden könnte. Mitte Januar berichtete Jakoby dann, dass sich die rechtliche Sachlage mittlerweile verändert habe und er sich gezwungen sehe, dem Kopp-Verlag die Halle zur Verfügung zu stellen.
Die Linke ruft zur Demo auf
Der Kreisverband Stuttgart der Partei Die Linke ruft auf ihrer Homepage unter dem Motto: „Let’s crash their party“ zur Beteiligung an einer Demonstration auf. Dort heißt es: „Der Kopp-Verlag ist ein wichtiges Sprachrohr der neuen Rechten in der BRD.“ Er veröffentliche Bücher über Islamphobie, Verschwörungstheorien und Law-and-Order-Fanatismus. Auf diesem Kongress würden rechte Theoretiker „ihre nationalistischen und verschwörungstheoretischen Positionen zum Thema Europa“ ablassen. Es heißt: „Wir werden nicht zulassen, dass dieses Gedankengut ungestört in die Öffentlichkeit getragen wird.“
Sven Fichtner, Kreisvorstandsmitglied der Partei Die Linke Stuttgart und Sprecherratsmitglied der Linksjugend, sagt, dass die Demo von einem antifaschistischen Bündnis ausgeht und die Linke Stuttgart und die Linksjugend diese unterstützen. Vor Veranstaltungsbeginn um 9 Uhr wollen die Demonstranten bei der Filderhalle in Leinfelden sein. „Ich bin gespannt, wer dort rein gehen wird“, sagt Fichtner. Möglicherweise seien auch Neonazis aus der Region vor Ort. „Ich vermute aber, dass das bürgerliche Lager die Veranstaltung besuchen wird und nicht die offenkundigen Rassisten.“ Fichtner möchte mit den Besuchern ins Gespräch kommen. Das Thema Euro interessiere viele Menschen. Wenn sich dann Professoren ankündigen, könnten sich die Bürger täuschen. „Ich möchte wissen, ob den Besuchern klar ist, was sie da wirklich unterstützen“, so Fichtner.
Drei Redner sprechen auf Kundgebung
Wer zu dem Kongress gehe, bekomme „Hetze auf höchstem Niveau“. Fichtner selbst war bisher nicht auf einem solchen Kongress. Er vermutet, dass die „rechtspopulistische Literatur des Kopp-Verlages die bürgerliche Mitte ansprechen soll“. Bei der Demo will ein Referent eines antifaschistischen Bündnisses ein Referat über den Verlag halten. Ein Referent der Linken will ebenso sprechen wie Verfasser des Offenen Briefs an Oberbürgermeister Roland Klenk.
Michael Schaal, der Sprecher der Polizeidirektion Esslingen, sagt, er könne schwer einschätzen, wie viele Demonstranten kommen. „Wir sind gerüstet und werden Präsenz zeigen.“ Die Polizei rechnet in Leinfelden mit einem friedlichen Verlauf. Am selben Tag treffen sich Linke aus ganz Deutschland in München zu einer Demo gegen die Sicherheitskonferenz.