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24. April 2017 Pressemitteilung, KV Heilbronn, Aktiv vor Ort

Das gute Leben steckt im Schnellkochtopf oder Arbeitszeitverkürzung ist notwendig

DIE LINKE Heilbronn-Unterland hat am vergangenen Freitag den Publizisten Lothar Galow-Bergemann eingeladen. Das Thema war der Wandel in der Arbeitswelt und die Notwendigkeit Arbeit anders zu verteilen. Der Referent begann mit dem Hinterfragen von Begrifflichkeiten und stellt scheinbar Selbstverständliches in Frage. Er stellte so unser Vorstellung von Arbeit als Natur des Menschen und als moralisch gut zur Disposition. Danach ging Galow-Bergemann auf die aktuelle Entwicklung in der Arbeitswelt ein. Die zunehmende mikroelektronische Entwicklung wird in den nächsten 20 Jahren viele Arbeitsplätze überflüssig machen. So steht in der Textilproduktion der Nähroboter in den Startlöchern, der eine ganze Branche vor Umwälzungen stellt. Aber auch in Deutschland wird es einen verstärkten Strukturwandel geben, sogar hochqualifizierte Tätigkeiten werden zunehmend von Computern und Robotern übernommen werden. Und eins ist nach Galow-Bergemann sicher, die technische Entwicklungen und Rationalisierungen gehen weiter, da im Kapitalismus die Konkurrenz zu ständigem Wachstum zwingt.

Nun ist diese Entwicklung eigentlich super, so Galow-Bergemann, denn die Maschinen nehmen uns die Arbeit weg. Deutlich wurde das am Beispiel des Schnellkochtopf dargestellt, der eben das Gleiche in einem Bruchteil der Zeit erledigt. Was natürlich nicht heißt, dass es keine Tätigkeiten mehr gibt. Hier unterscheidet der Referent zwischen Arbeit, die für den Markt produzieren muss und Tätigkeiten, die z.B. auch familiäre Pflege beinhalten. Die weggenommene Arbeit könnte mehr Zeit zum Leben, Lieben, Lachen bedeuten, wie die IG Metall ihren Kampf um die 35 Stunden Woche betitelte. Wer mehr Zeit hat, kann natürlich auch nachhaltiger leben. Man müsste insgesamt weniger produzieren, könnte sich die "Produktion für den Müllberg" sparen. Dazu braucht es auch eine Diskussion über die Frage was ist Lebensqualität?

Dabei bleibt Galow-Bergemann nicht bei Forderungen innerhalb des Kapitalismus stehen. Nach seiner Meinung muss das System, in dem alles über den Markt bestimmt wird, sich jeder Mensch nur über den Markt reproduzieren kann, überwunden werden. Er sieht den Kapitalismus in einer finalen Krise, die uns zu einer gesellschaftlichen Diskussion zwingen müsste, die bisher nur in kleinem Kreise geführt wird. Die aber in einzelnen Aspekten durchaus schon größere Kreise erreicht hat, so wird der reine Wachstumsglaube nicht mehr von allen geträumt.

Warum müssen wir bei enormen Fortschritten in der Arbeitsproduktivität immer mehr arbeiten? Oftmals für relativ sinnlose Dinge? Das waren Fragen in der anschließenden Diskussion, die Galow-Bergemann beantwortete. Das läge an der Kapitalverwertung, die immer weiter treibt. Aus Geld muss mehr Geld werden, egal durch was.

Wie kann nun die Entwicklung in der Arbeitswelt positiv für die Menschen gestaltet werden, war eine weitere Frage. Um entsprechende Veränderungen zu erreichen müsste in der Bevölkerung Druck für eine andere Gesellschaft entwickelt werden. Eine breite gesellschaftliche Bewegung für massive Arbeitszeitverkürzung ist dringend notwendig. Die Probleme liegen auf dem Tisch, es geht nun darum sich dessen bewusst zu werden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.