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12. August 2017 Position, KV Tübingen, Aktiv vor Ort

Von Armut bedroht

Annette Widmann-Mauz freut sich in ihrer Kolumne, dass die Geburtenraten steigen und will in der nächsten Legislatur Familien weiter "fördern".

Was sie nicht erwähnt: Auch in Baden-Württemberg hat Kinderarmut zugenommen (Bertelsmann-Studie 2016). Besonders gefährdet sind Kinder von Alleinerziehenden, die überdurchschnittlich häufig prekär beschäftigt sind oder "Hartz 4" beziehen.

Zwar erkennt Widmann-Mauz, dass hohe Mieten und ein Mangel an Kitaplätzen Familien belasten, doch die Steuersenkungen, die sie verspricht, sind nicht an alle Haushalte mit Kindern gerichtet.

Verheiratete Paare sollen profitieren (Ergänzung des Ehegattensplitting), gut verdienende mehr als die ärmeren (Erhöhung des Kinderfreibetrags). Andere Familienformen, die insbesondere von Armut bedroht sind, profitieren deutlich weniger.

Es ist undemokratisch, diejenigen zu benachteiligen, die dem von der CDU propagierten Lebensstil nicht entsprechen. Gleiche Chancen werden verhindert, wenn dem Staat reiche Kinder mehr wert sind als arme.

Wir brauchen den Ausbau kostenfreier Kitas (in Bundesländern mit Regierungsbeteiligung der Linken auf den Weg gebracht) und die von Jörg Klingenfuss erwähnte Senkung der Mehrwertsteuer bzw. deren Abschaffung für Babyprodukte wie Windeln.

Die Gleichbehandlung aller Kinder ist eine gesellschaftliche Pflicht, der die große Koalition leider nicht nachgekommen ist.

Nina Rupprecht, Tübingen