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4. April 2017 Meldung, KV Heilbronn, Aktiv vor Ort

Die S-Bahn kommt ins Zabergäu?

Was lange währt wird endlich gut, so könnte man meinen und tatsächlich scheint die Wiederbelebung der Zabergäubahn so nahe wie noch nie. Am 30.3. veranstaltete deshalb der Verein "Stadtbahn Pro Zabergäu" in der Cleebronner WG einen Infoabend. Und viele ZuhörerInnen sind gekommen, der Saal platzte fast aus den Nähten. Anlass zur Freude bietet eine Machbarkeitsstudie der AVG, die bereits in Karlsruhe und Heilbronn die Stadtbahn betreut. Ergebnis der Studie, die S-Bahn kann kommen. Technisch ist das leistbar, die Strecke muss ertüchtigt und anschließend elektrifiziert werden. Die errechneten Kosten von 52 Millionen Euro sind gut investiertes Geld, so Dr. Bickelhaupt von der AVG. "Die Zabergäubahn schreit nach Reaktivierung" ist sein Fazit. Auch der Betrieb ist nach Sicht der AVG interessant, da es bereits die Strecken in die anderen Richtungen gibt. In Heilbronn ist das Gleisbett schon vorhanden, die Bahnen können direkt durchfahren und die Passagiere kommen ohne Umsteigen direkt in die Stadt. Ein Vertreter des baden-württembergischen Verkehrsministeriums verriet dann, wie die Chancen auf Förderung durch Land oder Bund stehen. Bei Projekten über 50 Millionen Investitionen, kann auf Fördermittel des Bundes gehofft werden. In dem Fall muss der Landkreis 20% der Investitionssumme selbst zahlen. In jedem Fall muss eine sogenannte Standardisierte Bewertung durchgeführt werden, die den Kosten-Nutzen-Faktor errechnet. Fällt sie negativ aus, gibt es kein Geld und das Projekt scheint dann gestorben zu sein. Aktuell erneuert der Bund die Kriterien. Sobald die neue Bewertung vorliegt, wird der Landkreis die Unterlagen einreichen. Ein Fragezeichen ist dann bei den Betriebskosten zu machen. Wagenmaterial und Betriebskosten müssten eigentlich das Land bezahlen. Tut es aber nicht, d.h. falls die S-Bahn kommen soll müssen Landkreis und Kommunen zahlen und auf Regionalisierungsmittel hoffen, die laut Verkehrministeriumsvertreter ab 2021 höher ausfallen sollen. In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass es durch die Folgekosten mehr Geld kosten wird, falls die S-Bahn nicht kommt. Etwa durch weiteren Autoverkehr oder abwandernde Bevölkerung. Außerdem wurde befürchtet, dass das Zabergäu demnächst abgehängt sein wird. Dass überhaupt über eine Reaktivierung gestritten werden muss erklärte der ehemalige Zabergäuer Helmut Jaißle. Die Stilllegung wurde durch die starre Auslegung der Stuttgarter Bahndirektion durchgedrückt. Die Zabergäubahn wurde dem politischen Willen geopfert. Denn die Elsenztalbahn wurde gleichzeitig von der Bahndirektion Karlsruhe bei ähnlichen Ergebnissen beibehalten und fährt bis heute.Das große Interesse an der Informationsveranstaltung zeigt, dass die Zabergäuer "ihre Bahn" nicht vergessen haben. Sie spüren allerdings die Gefahr der standardisierten Bewertung (Standi): was ist, wenn die Bewertung keinen "volkswirtschaftlichen Vorteil" der Zabergäubahn ergibt? Wer legt die Kriterien der "Standi" fest? Wenn es nach den Besuchern in der WG geht, dann ist die Fragestellung anders: nicht ob die Zabergäubahn fahren darf, sondern wann sie fahren kann.