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6. September 2017 Aktiv vor Ort, Position, KV Tübingen

Ticketfreier Schülerverkehr

Gitta Rosenkranz, Stadträtin der Linken

Soziale Gerechtigkeit steht jetzt im Wahlkampf bei vielen Parteien auf der Agenda. Es ist auch ein wichtiges Thema auf kommunaler Ebene. Dazu gehört der Zugang zur Gesundheitsversorgung ebenso wie das Thema bezahlbarer Wohnraum, faire Arbeitsbedingungen und Löhne, von denen man leben kann.

Ein wichtiger Punkt ist auch der massive Investitionsstau bei Kitas, Schulen und Bildung. Gerechter Zugang zur Bildung, der eine Teilhabe an Bildungsangeboten für alle ermöglicht, ist eine Grundvoraussetzung für Unabhängigkeit von Transferleistungen als Erwachsene, die Sicherung von Fachkräften und damit eine Versorgung der Bürgerinnen und Bürger in einer Stadt wie Tübingen. Deshalb sollte Bildung kostenfrei sein. Der Zugang zur Bildung darf nicht weiter vom Einkommen der Eltern abhängig sein.

Ein besonders krasses Beispiel für Ungerechtigkeit ist deshalb, dass es immer noch keine kostenfreien Schülertickets gibt. Und zwar für alle Schülerinnen und Schüler, unabhängig vom Einkommen der Eltern, von der Nähe zur Schule etc. Kostenfreie Tickets könnten Schülerinnen und Schüler auch für außerschulische Angebote nutzen. Eine Schulbescheinigung würde genügen, damit die schulpflichtigen Jugendlichen das Ticket erhalten. Der Beitrag für die Umwelt wäre ein wünschenswerter Nebeneffekt. Frühes Lernen eben.

Unmöglich? Warum eigentlich? Warum setzt sich unser Oberbürgermeister nicht ebenso leidenschaftlich für dieses Thema ein wie für seine Art der Flüchtlingspolitik? Vielleicht weil das bundesweite Medienecho weitaus geringer wäre? Weil die Entlastung von Eltern und Kindern viel weniger für populistische Äußerungen taugt als andere Themen?

Auf jeden Fall sind die hohen Kosten für Eltern und Schülerinnen und Schüler ein Dauerärgernis. Warum zahlt eine Schülerin mehr für Bus und Bahn als ein Professor an der Uni für sein Jobticket? Ticketfreier Schülerverkehr in Tübingen wäre ein wichtiges Signal, eine befriedigende Lösung ist dringend. Dass das gehen kann, zeigen Länder wie Bayern und Hessen. Wenn sich da bald auch hier was tut, würden die Forderungen der Parteien im Wahlkampf nach sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung glaubwürdiger, gerade gegenüber Jugendlichen. Wir Linke setzen uns schon lange dafür ein.