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8. Juli 2010 Meldung, Landesverband, LAG betrieb&gewerkschaft

Ausfahrt Zukunft oder von einer Sackgasse in die nächste?

So war die Konferenz der Landesarbeitsgruppe Betrieb und Gewerkschaft benannt, die am 3. Juli in Stuttgart trotz des nachfolgenden WM-Spiels ein interessiertes Publikum aus allen Teilen Baden-Württembergs versammelte: BetriebsrätInnen und Vertrauensleute von IG Metall, ver.di, GEW u.a., Interessierte an Umwelt- und Verkehrsfragen, der Bundestagsabgeordnete Richard Pitterle, Gemeinderats- und Regionalparlamentsmitglieder und Arbeitslose. Professor Dr. Reuss vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen der Uni Stuttgart berichtete von den Initiativen  zur Förderung von Elektroautos auf Bundes- und Landesebene (Landesinitiative Elektromobilität, mit Beteiligung der Automobil- und Zulieferfirmen der Region). Er zerstörte aber einige Illusionen über den ökologischen Wert der Elektroautos, der doch von der Erzeugung des Stroms bestimmt und durch das Gewicht von Batterien beeinträchtigt wird.

Dr. Sabine Reiner vom Bereich Wirtschaftspolitik der ver.di- Zentrale setzte sich mit der Exportabhängigkeit der deutschen Wirtschaft, insbesondere der Automobil- und Zulieferindustrie, auseinander und wies auf die im Verhältnis zu Europa stagnierenden deutschen Lohneinkommen hin. Es entspann sich eine angeregte Diskussion zwischen IGM- und ver.di-Gewerkschaftern mit ihren jeweils verschiedenen Sichtweisen, da Metaller beim Wegfall des Exportüberschusses massenhaft um Arbeitsplätze bangen würden.

Im letzten Teil stellten Uwe Meinhardt, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Stuttgart, und Martin Schwarz-Kocher Geschäftsführer des IMU-Instituts Stuttgart, erfahrener Berater von Firmen in Konkursgefahr und Engpass-Situationen, ihre Sicht des Automobilbereichs in der Region und die Abhängigkeit der gesamten Wirtschaft vom Auto dar. 10% der Beschäftigten der Region arbeiten entweder bei Daimler,  Porsche,  Bosch oder ihren direkten Zulieferern. Martin Schwarz-Kocher befürchtet wegen unzureichender Kreditlinien der Banken noch eine Reihe von Insolvenzen im Maschinenbau trotz wieder anziehender Aufträge. Die Konversion der Autoindustrie hin zu zukunftsträchtigeren Produkten kann allein keine Lösung sein, da die Märkte für S-Bahnen, Elektrofahrräder, Medizintechnik und Energieerzeugung bereits besetzt sind und in der Krise immer mehr Unternehmen auf diese Märkte drängen. Als weiteres Element angesichts der Produktivitätssteigerungen und der noch nicht überwundenen Krisengefahr wurde eine Arbeitszeitverkürzung vorgeschlagen. Der Bundestagsabgeordnete Richard Pitterle aus Böblingen erklärte: "Im Moment suchen wir die Auswege in eine zukunftsfähige Industriegesellschaft. Da muss eine gesellschaftliche Debatte her. Aber weder DIE LINKE noch die Gewerkschaften dürfen dabei vergessen, die Interessen der arbeitenden und der arbeitslosen Menschen in den Mittelpunkt zu stellen."

Eine erste Fortsetzung des Zukunftsdialogs, in den auch die Umweltbewegung stärker einbezogen werden soll, findet in Stuttgart mit einer Konferenz der Rosa- Luxemburg-Stiftung und der Bundestagsfraktion vom 29. bis 31.102010 statt.