CDU und FDP verfolgen in Baden-Württemberg eine Politik der Bevormundung und Gängelung. Sie orientieren sich am obrigkeitsstaatlichen Denken, das die Bürgerinnen und Bürger zu Bittstellern macht und von wichtigen Entscheidungen ausschließt. In Baden-Württemberg bestehen erhebliche Defizite, was Demokratie und Bürgerrechte angeht. Die demokratischen Mitwirkungsrechte der Bevölkerung sind im Vergleich zu anderen Bundesländern stark beschnitten. DIE LINKE will das ändern. Deshalb fordern w
In Baden-Württemberg herrscht die weitverbreitete Meinung, der Staat müsse möglichst frei von Bürgereinfluss sein, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Da ist DIE LINKE ganz anderer Ansicht: Je vielfältiger die gesellschaftlichen Interessen, je komplexer die öffentlichen Aufgaben sind, desto notwendiger ist die direkte demokratische Beteiligung aller Betroffenen. In einer modernen Demokratie können angemessene politische Entscheidungen nur getroffen werden, wenn alle Bürgerinnen und Bürger in den Diskussions- und Entscheidungsprozess einbezogen sind.
Hier besteht in Baden-Württemberg erheblicher Reformbedarf:
Eine der ersten Maßnahmen der Landtagsfraktion DIE LINKE wird ein Gesetzentwurf zur Ausweitung direktdemokratischer Elemente (Volksabstimmung und Bürgerentscheid) sein.
Im Unterschied zu anderen Bundesländern ist das Wahlrecht in Baden-Württemberg so gestaltet, dass die CDU bevorzugt und andere Parteien benachteiligt werden. Das ist undemokratisch. Daher fordert DIE LINKE eine umfassende Wahlrechtsreform, wofür wir im Landtag einen Gesetzentwurf einbringen werden.
Immer mehr Vorgänge in der Politik spielen sich hinter verschlossenen Türen ab. Bürgerinnen und Bürger werden nicht nur von Entscheidungsprozessen ferngehalten, sondern nicht einmal informiert. DIE LINKE fordert Offenheit und Transparenz, damit die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr vor vollendete Tatsachen gestellt werden, sondern rechtzeitig Einwände und Einspruch erheben können.
Weitgehende Transparenz und umfassende zeitnahe Information sind wesentliche und mithin unverzichtbare Verhaltensweisen von öffentlichen Behörden und Verwaltungen in einer lebendigen Demokratie. DIE LINKE fordert auch für Baden-Württemberg ein Informationsfreiheitsgesetz, das jeder Person einen voraussetzungslosen Rechtsanspruch auf Zugang zu amtlichen oder amtsähnlichen Informationen gewährt. Bürgerinnen und Bürgern dürfen solche Informationen nicht mehr unter dem Vorwand des Amtsgeheimnisses vorenthalten werden. Damit würden sie von ihrer demokratischen Teilhabe ausgeschlossen. Bisher blockiert die schwarz-gelbe Landesregierung alle Bestrebungen, auch in Baden-Württemberg ein Informationsfreiheitsgesetz zu verabschieden, wie es bereits in anderen Bundesländern in Kraft ist.
DIE LINKE fordert, dass in den Beratungen über ein Informationsfreiheitsgesetz für Baden-Württemberg auch hemmende Aspekte des Informationsfreiheitsgesetzes des Bundes beseitigt, die Pflichten der Behörden, öffentlicher Verwaltungen und vergleichbarer Einrichtungen unmissverständlich festgestellt und der Rechtsanspruch der Bürgerinnen und Bürger eindeutig geregelt und klar verständlich formuliert werden.
DIE LINKE wird sich unmittelbar nach den Wahlen zum neuen Landtag nachdrücklich für die Einführung eines „Gesetzes über die Freiheit des Zugangs zu Informationen für das Land Baden-Württemberg“ einsetzen und dafür auch einen eigenen Gesetzesentwurf einbringen. Dieser wird insbesondere:
Seit Jahren will die schwarz-gelbe Landesregierung die Versammlungsfreiheit in Baden-Württemberg einschränken – angeblich, um den Kampf gegen den Rechtsextremismus zu führen. Neonazis bekämpft man jedoch nicht durch Angriffe auf demokratische Grundrechte, sondern durch Verbot ihrer verfassungswidrigen Organisationen und eine aktive Aufklärung über ihre Machenschaften. Doch geht es nach den Plänen der Landesregierung aus CDU und FDP, soll jeder öffentliche Protest erschwert werden. Das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie der öffentlichen Demonstration wollen sie der Willkür staatlicher Behörden aussetzen. Setzen sich die Regierungsparteien durch, kommt es zu einer gefährlichen Einschränkung der Versammlungsfreiheit, der DIE LINKE entschieden entgegentritt.
Darüber hinaus gibt es gegen Polizeibeamte immer wieder ernst zu nehmende Vorwürfe wegen rechtswidriger Gewaltanwendung, die zum Teil nicht ausreichend untersucht werden. Die Aufklärung wird nicht selten dadurch erschwert, dass die betroffenen Polizeibeamten aufgrund fehlender Kennzeichnung nicht identifiziert werden können. Das kann zu einem Mangel an Verantwortlichkeit und zu einem Klima der Straflosigkeit führen. Um dem entgegen zu treten fordert DIE LINKE eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte, zum Beispiel durch Namensschilder oder individuelle Identifizierungsnummern, die Gewährleistung unabhängiger, umfassender, unmittelbarer und unparteiischer Untersuchungen, wenn Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen gegen die Polizei erhoben werden, sowie ein Verbot des Tragens von Schusswaffen im alltäglichen Streifendienst sowie bei Demonstrationen und Großveranstaltungen.
Die LINKE setzt sich im Bundesrat, sowie im Zusammenwirken mit dem Landesdatenschutzbeauftragten, für Datenschutz ein, und zwar sowohl Schutz der Bürger und Bürgerinnen gegenüber dem Staat wie auch der Arbeitnehmer gegenüber den Arbeitgebern. Dazu gehören Themen wie die Vorratsdatenspeicherung von Telefondaten, die umfassende Datenübermittlung nach ELENA-Vorschriften von Arbeitgebern an öffentliche Stellen, der Schutz von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Arbeitsplatz vor Bespitzelung mit Videoaufnahmen, Mailüberwachung und werkärztlichen Untersuchungen, und die Sammlung gewaltiger Datenmengen in der Volkszählung 2011. In diesen Fällen sind zahlreiche Klagen anhängig. Das im August 2010 vom Bundeskabinett vorgelegte Gesetz zum Arbeitnehmerdatenschutz ist völlig unzureichend.
DIE LINKE lehnt die im Polizeigesetz von Baden-Württemberg seit 2001 verankerte Verwaltungsvorschrift zur Video-Überwachung von Bürgerinnen und Bürgern ab. Diese Vorschrift ermöglicht willkürliches Handeln der durchführenden Organe. Auch das Beispiel von Videoüberwachungen an 17 öffentlichen Schulen in Mannheim, die 2009 vom Landes- datenschutzbeauftragten kritisiert und schließlich durch das Bundesverfassungsgericht für rechtswidrig erklärt wurden, zeigt die Bereitschaft der Landesregierung zum unbegründeten Eingriff in die Persönlichkeitsrechte jedes Einzelnen. Wissenschaftliche Untersuchungen hingegen belegen: Kameraüberwachungen vermindern die Kriminalität nicht, sondern verlagern sie bestenfalls an andere Orte. Damit werden die Kriminalität und ihre Ursachen nicht beseitigt!
Nach Auffassung der LINKEN trägt – neben einer grundsätzlich sozial gerechten Politik – zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger eher eine personelle Aufstockung der Polizei und der kommunalen Ordnungsdienste bei als der derzeit betriebene Stellenabbau, die Verlängerung der Dienstpläne und die Kürzung der Gehälter.
Die Alternative zu der willkürlichen Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, Schulen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ist eine Personalaufstockung bei Polizei und kommunalen Ordnungsdiensten, um gesellschaftlich notwendige öffentliche Ordnung und Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger besser gewährleisten zu können. Durch den immer weiteren Stellenabbau der letzten Jahre ist es heute kaum mehr möglich, dass die Polizei ihre öffentlichen Verwaltungs- und Ordnungsaufgaben zur allgemeinen Zufriedenheit erfüllen kann.
Widersinnig ist zudem die von der Landesregierung verantwortete neue Festsetzung, dass für die Höchstpension 45 Dienstjahre Voraussetzung sind. Das kann von niemandem erreicht werden und bedeutet somit faktisch eine Kürzung der polizeilichen Beamtenpensionen. Der Polizeiberuf wird dadurch immer unattraktiver.
Während in anderen Bundesländern wie Hessen und Rheinland-Pfalz durch eine Laufbahnreform der mittlere Polizeidienst faktisch abgeschafft wurde, be?nden sich in Baden-Württemberg immer noch 50 Prozent der Polizeibeamten im mittleren Dienst. Der in Aussicht gestellte Übergang lebensälterer Polizeibeamter vom mittleren in den gehobenen Dienst ist nur über ein verdünntes Ausbildungsprogramm (sogenanntes „W8-Programm“) möglich. DIE LINKE fordert eine Ausweitung des Quali?zierungsprogramms und eine Anhebung des Stellenschlüssels für den gehobenen Dienst bei der Polizei auf mindestens 80 Prozent. Entsprechend ist auch bei den Landesfeuerwehren und im Justizvollzug zu verfahren.
In vielen abgelegenen Orten Baden-Württembergs steht der Polizei heute immer noch keine Funkverbindung zur Verfügung, die lebensrettend sein kann. Hier fordert DIE LINKE die unverzügliche Einführung des Digitalfunks, der sich nun schon seit zirka zehn Jahren nur „in Planung“ be?ndet. Das ist weit wichtiger als etwa die Farbe der Uniform (wobei die Beamten den Uniformwechsel auch noch durch jahrelange Kürzungen ihres Kleiderkontos faktisch selbst ?nanzieren).
Zusätzlich fordert DIE LINKE die Einführung einer vom Landtag beauftragten unabhängigen Kontrollkommission zur Aufklärung von Straftaten von Polizistinnen und Polizisten.
Justizminister Ulrich Goll (FDP) betreibt seit Jahren eine Politik, die das Gegenteil von liberal ist. Seine Aufgabe wäre es, die Unabhängigkeit der Gerichte gegen Einmischungen aus der Politik zu verteidigen. Tatsächlich jedoch mischt er sich selbst in die Angelegenheiten der Justiz ein. Zum Beispiel ist seine Positionierung gegen die Forderung nach einer Restriktion der privaten Waffenhaltung kaum zu trennen von seiner eigenen hinlänglich bekannten Waffenvorliebe.
Als Antwort auf überfüllte Gefängnisse sieht die baden-württembergische Regierung ihr Heil in der höchst bedenklichen Privatisierung des Strafvollzugs. Da soll der Bock zum Gärtner gemacht werden. Auch die Einführung einer elektronischen Fußfessel führt nicht zu einer Lockerung des Strafvollzugs, sondern zu seiner Ausdehnung. DIE LINKE wird im Landtag auf die Tagesordnung setzen:
Über den Bundesrat soll die Landesregierung die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft und erleichterte Einbürgerungsmöglichkeiten durchsetzen, also eine Änderung des Ausländer- und Asylrechts anstoßen.
Die Verfassung, das Grundgesetz, muss geschützt werden, oft leider nicht nur vor Feinden der Demokratie, sondern auch vor regierenden Parteien und ihren verfassungswidrigen Beschlüssen. Das belegen zahlreiche Urteile des Bundesverfassungsgerichtes und des baden-württembergischen Staatsgerichtshofes.
Die freiheitlichen und demokratischen Elemente unseres Grundgesetzes müssen verteidigt werden. Zusätzlich ist aber auch erforderlich, der Gefahr einer schleichenden Entdemokratisierung entgegenzutreten, die unter anderem dadurch droht, dass sich herrschende Eliten verselbständigen und Wirtschaftsunternehmen ihre Parteilobby durch „Spenden“ kaufen. Das Grundgesetz muss ständig im Sinne von mehr Emanzipation und Rechten für die Bürgerinnen und Bürger weiterentwickelt werden.
Einige Entwicklungen in der als „Verfassungsschutz“ bezeichneten Behörde sind allerdings nicht unproblematisch, insbesondere in Baden-Württemberg. Weil das „Landesamt für Verfassungsschutz“ unmittelbar dem Innenminister untersteht, fehlt es ihm an politischer Unabhängigkeit. Immer wieder wurde es in der Vergangenheit dazu missbraucht, missliebige politische Konkurrenz bespitzeln zu lassen und in der Öffentlichkeit durch haltlose Unterstellungen zu verunglimpfen.
Wenn in Papieren der Jungen Union Baden-Württemberg Nazi-Parolen kursieren und demagogisch eine Überfremdungsgefahr beschworen wird, ohne dass die CDU-Führung oder das Landesamt für Verfassungsschutz dagegen einschreiten, wirft das ein grelles Licht auf die tatsächlichen Verhältnisse in Sachen Schutz der Grundwerte und Freiheitsrechte in Baden-Württemberg.
DIE LINKE fordert die Umwandlung des Landesamtes für Verfassungsschutz in ein von der Landesregierung unabhängiges wissenschaftliches Institut, das die Einhaltung der Verfassung und die Respektierung von Bürgerrechten laufend überprüft und darüber berichtet. Die Programme und Aktivitäten aller politischen Parteien und Bewegungen sollen dabei gleichermaßen analysiert und ausgewertet werden.
DIE LINKE Baden-Württemberg spricht sich für den sofortigen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und gegen Bundeswehreinsätze im Ausland und im Inneren unseres Landes aus. In den letzten Jahren wurden systematisch die Grenzen zwischen polizeilichen, militärischen und geheimdienstlichen Aufgaben aufgeweicht. Die LINKE fordert, auch als Konsequenz aus den Verbrechen des Dritten Reiches, eine klare Trennung dieser Bereiche. Immer häufiger versucht die Bundeswehr durch Auftritte im öffentlichen Raum, zum Beispiel durch Gelöbnisse mitten in baden-württembergischen Städten, für Akzeptanz oder zumindest Gewöhnung an ihre Präsenz zu sorgen.
Ein wesentlicher Baustein für gegenwärtige und zukünftige Bundeswehreinsätze im Inneren ist die zivilmilitärische Zusammenarbeit. Diese wurde in den letzten Jahren grundlegend neu geordnet, so dass die Bundeswehr nun mit Kreisverbindungskommandos in jedem Kreis und jeder kreisfreien Stadt präsent ist und mit Bezirks- und Landeskommandos in den Regierungspräsidien und in der Landespolitik Ein?uss nehmen kann. Das Militär ist damit dauerhaft in die Katastrophenschutzstäbe auf Landesebene eingebunden. Dadurch wird die Unterscheidung zwischen zivilem Katastrophenschutz und militärischem Zivilschutz dauerhaft unterlaufen. Das Militär bestimmt maßgeblich die Katastrophenschutzpläne und darüber, was als Katastrophe zu de?nieren ist. Über Programme von Innenministerien und Bundeswehr zum Schutz so genannter „kritischer Infrastruktur” (Bahnhöfe, Flughäfen, Energieversorgungsunternehmen, Banken etcetera) können auch Streiks oder Demonstrationen vor solchen Einrichtungen zum Katastrophenfall erklärt werden, so dass Einsätze der Bundeswehr gegen Streikende oder Demonstrierende zu befürchten sind.
Gleichzeitig stehen für den zivilen Katastrophenschutz immer weniger Gelder zur Verfügung. Doch nur, wenn es einen gut ausgestatteten zivilen Katastrophenschutz gibt, ist auch die tatsächliche Versorgung der Zivilbevölkerung in einem Katastrophenfall gesichert. Militärische Prioritäten sind keineswegs immer identisch mit dem, was den Bedürfnissen der Zivilbevölkerung entspricht.
DIE LINKE begrüßt, dass immer mehr militärische Liegenschaften aufgegeben werden, und sieht das als Chance für eine zivile Entwicklung der betroffenen Regionen. Sämtliche in Baden-Württemberg stationierte Bundeswehreinheiten müssen aufgelöst und die Kasernen einer friedlichen Nutzung zugeführt werden. Das gilt zuerst für die Kaserne in Calw, von der aus das Kommando Spezialkräfte in Kriege in aller Welt geschickt wird, und für den Sprengplatz am Heuberg, wo beim Trainieren von „Kriegsspielen“ auch das Grundwasser der Region gefährdet wird. Die anderen Kasernen sollten dann schrittweise folgen.
DIE LINKE lehnt die Versuche der Bundeswehr ab, in Arbeitsagenturen, auf Messen, in Schulen und Hochschulen junge Menschen für den Militärdienst zu rekrutieren. Es darf nicht sein, das Offiziere in ARGEn die Notlage junger Hartz-IV-Empfängerinnen und -empfänger für ihre Anwerbebemühungen ausnutzen. Stattdessen benötigen diese Menschen Perspektiven für beru?iche Bildung im zivilen Bereich.
Auch in Baden-Württemberg nehmen rassistische, antisemitische und neofaschistische Aktivitäten und Übergriffe zu. Von solchen Aktivitäten und Übergriffen sind auch immer mehr Menschen mit Behinderungen betroffen. Die „Jungen Nationaldemokraten“ haben seit 2005 in Baden-Württemberg ihre Mitgliederzahl verdoppelt, und mit den „Autonomen Nationalisten“ ist eine neue, gewaltbereite Jugendgruppierung entstanden. Statt der neofaschistischen Gewalttäter verfolgt und bestraft die Landesregierung jedoch die antifaschistische Gegenwehr.
Da Rassismus und Neofaschismus jedoch in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt sind, darf der Kampf dagegen nicht überwiegend bei sogenannten Randgruppen der Gesellschaft geführt werden. Beispielsweise treten bei der Jungen Union in Baden-Württemberg immer wieder rechtsextreme Tendenzen auf, die von der Mutterpartei nur ungenügend kritisiert oder sogar verharmlost werden.
Die Mitarbeit in antifaschistischen Bündnissen zählt zum Grundverständnis der LINKEN. Alle den Faschismus und den Holocaust relativierenden Vergleiche lehnen wir ab, insbesondere die unhistorische Gleichsetzung von links und rechts.
Das Land plant zusammen mit dem Kaufhauskonzern Breuninger ein Neubauprojekt am Stuttgarter Karlsplatz. Die Investoren planen hier ein Einkaufszentrum, ein Luxushotel und Büros für Ministerien. Hierfür soll das Gebäude in der Dorotheenstraße 10, bekannt als „Hotel Silber“, abgerissen werden.
DIE LINKE wendet sich entschieden gegen diese „Entsorgung der Geschichte“. Hier war in der NS-Zeit der Sitz der Gestapo-Leitstelle und damit die Zentrale des NS-Terrors in Württemberg-Hohenzollern. Von hier aus wurden die Gestapo-Gefängnisse und „Arbeitserziehungslager“ im Land eingerichtet. Von hier aus wurde die Überwachung und Bespitzelung der Bevölkerung organisiert. Von hier aus wurden die Verfolgungsmaßnahmen gegen so genannte Asoziale und gegen Homosexuelle organisiert. Die Gestapo-Zzentrale war in ganz verschiedene Referate aufgeteilt. Die Liste der Sachgebiete reichte vom „Judenreferat“ – die Gestapo organisierte die Deportation – bis hin zur Niederschlagung des kommunistischen Widerstands und der Verfolgung von Kritikern des NS-Regimes innerhalb der Kirchen. Von hier aus wurden die Zwangsarbeiter überwacht und in etlichen Fällen über ihre Ermordung am Galgen entschieden. Von hier aus wurden die Züge der württembergischen Juden in die Vernichtungslager organisiert.
DIE LINKE fordert, das „Hotel Silber“ zu erhalten und zwar als Gedenk- und Lernort, wo sich am authentischen Ort Bürgerinnen und Bürger, insbesondere junge Menschen, Zugang zum dunkelsten Kapitel der Stadt- und Landesgeschichte erarbeiten können. Wir fordern, dass das Land auf einen Teil der geplanten Büros an dieser Stelle verzichtet und als Investor Architekten beauftragt, eine Planung zu entwickeln, die den Erhalt des Gebäudes möglich macht. DIE LINKE will, dass das Land mit der Stadt Stuttgart Verhandlungen aufnimmt mit dem Ziel, hier das längst überfällige NS-Dokumentationszentrum für Stuttgart und Baden-Württemberg einzurichten, als einen die dezentralen Gedenkstätten ergänzenden Ort, an dem die Verfolgung aller Opfergruppen, der Widerstand in all seinen Facetten und das Funktionieren des NS-Regimes systematisch und konkret auf Stuttgart und Württemberg-Hohenzollern bezogen dargestellt wird.