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Abschaffung des Pflegegrad 1 wäre ein Schlag gegen Betroffene und sozialpolitischer Fehler
„Die Diskussion über die Abschaffung des Pflegegrad 1 zeigt die Ignoranz der Bundesregierung gegenüber der Lebensrealität von Betroffenen. Die Abschaffung wäre nicht nur sozialpolitisch falsch, sie ist auch strukturpolitisch kurzsichtig“, erklärt Amelie Vollmer, Spitzenkandidatin der Linken bei der Landtagswahl. „Gerade Baden-Württemberg mit seiner stark dezentralen, oft ländlich geprägten Struktur wäre in besonderem Maße von den Folgen betroffen.“
In Baden-Württemberg leben über 90.000 Menschen mit Pflegegrad 1 – ein erheblicher Teil davon in ländlichen Regionen. Fiele dieser Pflegegrad weg, hätte dies doppelte Konsequenzen: Für die Betroffenen entfiele der zentrale Zugang zu niedrigschwelliger Unterstützung, gleichzeitig stiege für die Kommunen der Druck, diese Lücke über freiwillige Leistungen oder Sozialhilfe zu kompensieren. „Die Bundesregierung wälzt mit diesem Schritt Kosten auf Länder und Kommunen ab, ohne zugleich Verantwortung für die entstehenden Versorgungslücken zu übernehmen“, kritisiert Vollmer.
Die demografische Entwicklung in Baden-Württemberg zeigt zudem eindeutig, dass der Bedarf an präventiver und unterstützender Pflege weiter steigen wird. „Eine Streichung des Pflegegrad 1 wäre in diesem Kontext ein Rückschritt, für den die Betroffenen mit ihrer Lebensqualität zahlen würden. Denn die Pflegebedürftigkeit verschwindet nicht nur weil es der Bundesregierung gerade einfällt den Pflegegrad zu streichen“, so Vollmer.
Die linke Spitzenkandidatin Amelie Vollmer macht deutlich, dass es stattdessen darum gehen müsse, wohnortnahe Pflegestrukturen zu schaffen, die alle Lebensphasen berücksichtigen und vor allem ambulante sowie tagespflegerische Angebote stärken. Dazu gehöre auch, die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege so zu verbessern, dass eine menschenwürdige Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe gesichert sind. Um den Fachkräftemangel wirksam zu bekämpfen, müsse der Pflegeberuf attraktiver gestaltet und durch bessere Rahmenbedingungen aufgewertet werden. Gleichzeitig brauche es eine spürbare Entlastung für pflegende Angehörige und mehr Kurzzeitpflegeplätze.
„Unser Ziel ist eine solidarische Pflegevollversicherung, die alle Risiken abdeckt und von allen Einkommensgruppen getragen wird. Wir wollen gute und wohnortnahe Gesundheits- und Pflegeversorgung, kurze Wege, würdige Pflege und faire Bedingungen für diejenigen, die tagtäglich Großartiges leisten“, betont Vollmer abschließend.

