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Kita-Gebühren in Baden-Württemberg bundesweit auf Spitzenniveau – Eltern werden allein gelassen

In ihrer Antwort auf die Schriftliche Frage von Anne Zerr (2/234) zu den steigenden Elternbeiträgen in Baden-Württemberg verweist die Bundesregierung auf den aktuellen Monitoringbericht zum KiTa-Qualitäts- und -Teilhabeverbesserungsgesetz (KiQuTG) vom 17.02.2026. Die dort veröffentlichten Zahlen zeichnen ein drastisches Bild:

  • Für einen Ganztagsplatz (über 35 Stunden) zahlen Eltern in Baden-Württemberg im Median 238 Euro monatlich für Kinder ab drei Jahren bis zum Schuleintritt – der höchste Wert im Bundesvergleich. Für Kinder bis drei Jahren sind es 370 Euro – Baden-Württemberg ist damit nach Niedersachsen (380 Euro) das zweitteuerste Bundesland. (für 2024, S. 208) Zwischen 2020 und 2024 stiegen die Beiträge um 11,4 Prozent (von 332 auf 370 Euro) – deutlich stärker als viele Einkommen. (S. 207) (Achtung: Kosten ohne Mittagessen!)
  • Mehr als ein Viertel der Haushalte unter 60% des Medianeinkommens sieht die Kosten als Hinderungsgrund für die Nutzung einer Kita (28%). (für 2024, S. 213)
  • Fast die Hälfte dieser einkommensarmen Haushalte nennen die Kosten als (sehr) wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Einrichtung (49%). (für 2024, S. 213)

Anne Zerr, Mitglied der Fraktion Die Linke im Bundestag und im Ausschuss für Arbeit und Soziales, erklärt:

„Die Kitagebühren in Baden-Württemberg werden seit Jahren kontinuierlich erhöht – das ist kein Randproblem, das ist soziale Selektion. Ob Kinder ihr Recht auf frühkindliche Bildung wahrnehmen können, darüber entscheidet in Baden-Württemberg der Geldbeutel der Eltern. Diese verdeckte Steuer auf Elternschaft ist auch ein familien- und gleichstellungspolitisches Armutszeugnis: Wenn Betreuungskosten es für Familien unwirtschaftlich machen, Vollzeit zu arbeiten, sind es überwiegend Frauen, die ihre Stunden reduzieren.“

Zerr weiter:

„Fast jede zweite einkommensarme Familie sagt: Die Kosten bestimmen die Kitawahl. Mehr als jede vierte Familie wird durch Gebühren sogar ganz von der Nutzung abgehalten. In einem der wirtschaftsstärksten Bundesländer Europas wird frühkindliche Bildung zum Luxusgut. Bund und Land verwalten die Kitakrise, statt sie durch mehr Mittel zu lösen. Dabei zeigen Bundesländer wie Berlin seit Jahren, dass beitragsfreie Kitas möglich sind. Die Linke in Baden-Württemberg fordert deshalb die landesweite Beitragsfreiheit für Ganztagsbetreuung – Bildung darf nicht vom Kontostand abhängen.“